Dienstag, 21. Mai 2013

Tibet – wenn über Nacht der Schnee kommt

In der Abgeschiedenheit von Tibet setzt sich das Schweizerische Rote Kreuz für bessere Hygiene und Gesundheit ein. Wie das konkret geschieht, erzählt unser Delegierter Dicken Higgins mit einem kleinen Einblick in seinen Alltag.


Wir sind unterwegs in den Distrikt Phusum Xiang, wo das Schweizerische Rote Kreuz 2013 neu mit der Umsetzung eines Gesundheits- und Hygieneprogrammes beginnt. Wie so häufig ist die Strasse nicht besonders gut.


Willkommen in der Wildnis von Phusum Xiang und seinem Hauptort – dem Dorf Koktso. Wir befinden uns auf 4300 Metern über Meer, das Dorf hat 283 Einwohner, eine Schule mit 180 Kindern aus sieben umliegenden Dörfern, eine kleine Klinik und ein Verwaltungszentrum mit Polizeiposten.


In den zwei Tagen, die wir hier verbringen, wollen wir die Dorfbewohner detailliert über die geplanten Verbesserungen informieren. Gemeinsam mit ihnen wollen wir die wichtigsten Probleme benennen und die nächsten Schritte planen. Wir erstellen gemeinsam eine Karte des Dorfes, auf der alle Häuser, alle wichtigen Gebäude und alle Verkehrswege eingetragen sind.


Danach lassen wir die Dorfbewohner aus ihrem Kreis ein Gesundheitskomitee bestimmen. Dieses soll sich in Zukunft um die die auftretenden Fragen in Sachen Hygiene und Gesundheit kümmern. In drei Gruppen gehen wir im Dorf auf Rundgänge, um die Situation besser einschätzen zu können.


Speziell achten wir darauf, wie die Häuser mit Wasser versorgt werden, und wohin die Abwasser fliessen. Aber auch der Verschmutzung der Umwelt mit Abfall kommen wir auf die Spur.


Das Programm dieses ersten Tages hat uns schon ziemlich müde gemacht, obwohl wir an die grosse Höhe gewöhnt sind. Als wir am zweiten Morgen aufwachen, hält das unvorhersehbare tibetische Wetter eine Überraschung für uns bereit: alles ist weiss und schneebedeckt! Damit haben wir im Mai nicht mehr gerechnet - auch auf 4300 Metern nicht.


Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch. Zum Glück haben wir für heute keine Reise geplant und bleiben für weitere Versammlungen und Diskussionen im Dorf. Doch der weisse Traum schmilzt schnell. Am Morgen danach ist alles wieder normal und wir reisen bei strahlend blauem Himmel und überwältigender Aussicht zurück nach Shigatse, wo unser Büro ist.


Mittwoch, 8. Mai 2013

Rotkreuz-Lokomotive trägt Botschaft ins ganze Land

150 Jahre unterwegs für Menschen: dafür steht die Rotkreuz-Lokomotive, die am Weltrotkreuztag, dem  8. Mai, in Zürich auf den Namen «Humanité» getauft wurde. Die Lok wird vier Jahre lang mit der Botschaft «Wir sind alle Fan vom Roten Kreuz» durch die Schweiz fahren. Isabel Rutschmann, SRK-Redaktorin, war bei der Taufe mit dabei.


Es muss schon etwas ganz Besonderes im Gange sein, wenn die SRK-Präsidentin Annemarie Huber-Hotz und die Leiterin Personenverkehr SBB Jeannine Pilloud sich so weit über den Rand des Bahnsteigs hinauslehnen, dass man sich fast Sorgen machen muss, ob sie nicht demnächst auf die Geleise fallen. So geschehen am letzten Mittwoch, 8. Mai, kurz nach dem Mittag am Hauptbahnhof Zürich.



Die Lautsprecherdurchsage lüftet das Geheimnis um die vielen Menschen, die es den beiden Damen gleichtun und bei Gleis 18 mit Spannung auf etwas warten: «Das Rote Kreuz ist unterwegs für Menschen. Jetzt folgt die Einfahrt der Rotkreuz-Lokomotive auf Gleis 18.» Und dann kommt das Riesenbaby, das heute getauft werden soll, langsam angerollt. Imposant.



Zuerst ist auf der Front das Rote Kreuz sichtbar, nach und nach kann man bei der vollständigen Einfahrt in den Bahnhof auf der Seite die Porträts der Freiwilligen erkennen, die für das SRK und die Rotkreuz-Rettungsorganisationen im Einsatz stehen und alle auf der rechten Wange ein rotes Kreuz und damit die Botschaft «Ich bin Fan des SRK» tragen.

Joséphine Flüeler, Bruno Parent, Tina Hasler, Thomas Rauber, Matthias Gerber mit  Spürhund Dixie.
«Es ist mir etwas unheimlich», sagt Thomas Rauber, Freiwilliger bei der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG, als er sein eigenes Riesenporträt auf der Lok sieht. Die fünf abgebildeten Freiwilligen sind alle persönlich am Taufakt der Lokomotive anwesend und amtieren als Taufpaten. «Es ist mir eine Ehre, die Botschaft des SRK ins Land tragen zu dürfen. Ich hoffe, dass ich mit dieser Aktion dazu beitragen kann, mehr Menschen für Freiwilligenarbeit zu motivieren», sagt Joséphine Flüeler, Freiwillige des Kantonalverbands Aarau, als sie ihr riesiges Konterfei auf der Lok betrachtet. Dann begiessen die fünf Taufpaten die Lok und schicken sie zum 150. Jahrestag der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz für vier Jahre auf Reisen.





Auszug aus dem Medienecho

- News Blick.ch
- News Neue Zuger Zeitung
- Beitrag mit Video auf Tagesanzeiger.ch
- Artikel in Bahnonline.ch
- Ausführliches Fotoalbum des Taufevents









Donnerstag, 2. Mai 2013

Eine Bankkarte für Flüchtlinge

Der Konflikt in Syrien dauert an, immer mehr Menschen flüchten in die Nachbarländer, zum Beispiel nach Jordanien. Auch das SRK leistet dort Soforthilfe. Hannes Heinimann, Leiter Katastrophenhilfe SRK berichtet aus Jordanien.









Jerash/Jordanien, am 24. April 2013. Es ist ein warmer und sonniger Tag, einige 100 Meter entfernt von der berühmten und eindrücklichen römisch-griechischen Stätte Gerasa, welche täglich von zahlreichen Touristen aus aller Welt besichtigt wird. Neben mir steht eine grosse Menschenmenge von Männern, Frauen und Kindern, welche geduldig auf Einlass vor dem Tor der Gemeindeverwaltung warten.

Heute erhalten rund 80 aus Syrien geflüchtete Familien zum ersten Mal vom Schweizerischen Roten Kreuz einen Geldbetrag zur Zahlung ihrer dringendsten Bedürfnisse, vor allem für Wohnungsmiete, Stromkosten und Nahrungsmittel. Gruppenweise werden die wartenden Flüchtlinge in das Gemeindehaus eingelassen, wo freiwillige Helfer des Jordanischen Roten Halbmonds und die Delegierte des SRK die Beratung der bedürftigen Menschen übernehmen und die Verteilung der Bankkarten organisieren.

Zuerst muss sich jede Einzelperson oder Familie ausweisen. Es wird überprüft, ob die auf der vorbereiteten Liste der Hilfsempfänger aufgeführten Personen wirklich auch mit den persönlich Anwesenden identisch sind. In einem nächsten Schritt wird den Flüchtlingen erklärt, wie sie die Bankkarte mit Geheimcode anwenden, um kleinere oder grössere Geldbeträge bei einem Bancomat  abheben zu können.

Am nächsten Tisch wird den Hilfeempfängern ihr Vertrag mit dem Roten Kreuz vorgelesen, Es handelt sich um eine monatliche Geldsumme von umgerechnet zwischen 180 und 220 Franken , je nach Grösse der Familie. Die Unterstützung dauert vorerst drei Monate. Der Vertrag bestätigt, dass die Flüchtlinge die Geldmittel nach eigener Wahl einsetzen können, dort wo ihre Bedürfnisse am grössten sind. Den Kauf von Drogen und Alkohol ist explizit verboten, ebenso die Verwendung für Geldspiele.


Endlich kommt der Moment, in dem die Flüchtlingsfamilie ein kleineres Zimmer betritt, wo der Vertrag unterzeichnet und die wertvolle Bankkarte samt Geheimcode ausgehändigt wird. Viele Männer und Frauen sind von ihren Gefühlen überwältigt, einige brechen gar in Tränen aus, vor Glück oder Erleichterung. Vor allem für die Frauen ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie über eine eigene Bankkarte verfügen. Dank diesem Beitrag hegen die Menschen ein bisschen mehr Hoffnung für die Bewältigung einer für sie ungewissen und schwierigen Zukunft.

© SRK, Hannes Heinimann

«...Sie erschossen den dreijährigen Sohn vor den Augen der Geschwister und der Eltern. Und dann seien noch andere Dinge geschehen, sagt Khalil, aber er möchte nicht darüber sprechen. Das Haar des achtjährigen Sohnes Mustafa wurde über Nacht weiss, vor Schreck über diese Erlebnisse...»  Zitat aus der Reportage zur SRK-Hilfe in der NZZ




Montag, 15. April 2013

Wartezimmer in Südsudan

Der Luzerner Fotograf Fabian Biasio war unterwegs von Khartum im Norden nach Bentiu im Südsudan. Seine Bilder zum Alltag in Südsudan und den Projekten des Schweizerischen Roten Kreuzes sind zusammengestellt von SRK-Mitarbeiterin Sibylle Dickmann.




Seit Juli 2011 ist der Südsudan ein unabhängiges Land. Dies nach einem jahrzehntelangem Bürgerkrieg mit unzähligen Toten, Verletzten, Vermissten. Millionen von Menschen sind Flüchtlinge im eigenen Land. Dörfer sind abgebrannt, das Gesundheitswesen weitgehend zerstört.




Eine alte Gesundheitsstation im Unity State (Südsudan). Geduldig sitzen die Patientinnen und Patienten im „Wartezimmer“, einer Wand aus dürren Ästen, die notdürftig etwas Schatten spendet, und warten auf die Untersuchung. Die runde, strohgedeckte Lehmhütte ist im traditionellen Stil als “Tukul“ gebaut und hat keinerlei sanitäre Anlagen.


Hebamme Elisabeth untersucht eine Patientin im spärlich ausgerüsteten Gesundheitsposten. Gesundheit ist für die notleidenden Menschen im Südsudan das wertvollste Gut. Der Aufbau einer funktionierenden Gesundheitsversorgung ist deshalb eine Investition, die sich lohnt.

In den vergangenen zwei Jahren hat das SRK sechs Gesundheitszentren erstellt, die sauberes Trinkwasser aus einem Bohrloch beziehen und zwei Latrinen besitzen – eine ungewohnte Situation für die meisten Patientinnen und Patienten der neuen Gesundheitszentren. Denn ihr Badezimmer, ihre Küche und ihr Wäscheraum sieht so aus.


80 Prozent der Menschen in dieser Region haben keinen Zugang zu irgendeiner Form von sicherem Trinkwasser oder sanitären Anlagen. Eine Folge davon ist die Verunreinigung des Wassers mit Keimen, die Durchfallerkrankungen hervorrufen.


Diese Infektionen breiten sich vor allem während der Regenzeit rasend schnell aus. Für ältere und geschwächte Menschen sowie für jedes fünfte Kleinkind bedeutet der Durchfall ohne Medikamente den sicheren Tod.

Die SRK-HIilfe im Südsudan ist Teil unseres langjährigen Engagements
für die Opfer vergessener Katastrophen.

Auch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften IFRC macht dieses Jahr mit ihrer Kampagne silent disasters auf das Schicksal derjenigen aufmerksam, deren Stimme sonst ungehört verhallt.










Dienstag, 9. April 2013

Eine Rose lässt sich nicht unterkriegen


Das zentralamerikanische Land El Salvador wird regelmässig von Erdbeben, Wirbelstürmen und Überschwemmungen heimgesucht. Mit dem Salvadorianischen Roten Kreuz engagiert sich das SRK im Wiederaufbau und in der Katastrophenvorsorge. SRK-Mitarbeiter Karl Schuler war zu Besuch. 











Ihr voller Name hat einen noblen Klang: Rosa Elba Estrada del Cid. „Hier nennen mich alle nur Rosa Chata“, sagt die gut 70-Jährige mit dem Schalk in den Augen. Chata bedeutet klein und untersetzt, und die Kurzversion passt durchaus zur energischen Rosa im salvadorianischen Küstendorf.

Die schwere Überschwemmung, die im Oktober 2011 die Gegend des Bajo Lempa im Osten El Salvadors heimsuchte, zerstörte auch den Ziehbrunnen im Hof von Rosa Chata.


Heute zeigt sie uns stolz, wie leicht sich das Wasser mit der Handpumpe aus dem neuen Brunnenschacht aus 10 Meter Tiefe ans Tageslicht befördern lässt. Dann zeigt sie uns den Wasserfilter, der auf dem sauber geputzten Lehmboden der Küche aufgestellt ist. Zusammen mit 360 weiteren Familien der Region erhielt sie nach der Unwetter-Katastrophe vom Roten Kreuz  einen intakten Trinkwasseranschluss und die Filter zur Reinigung des Wassers. 

In wenigen Sätzen schildert die Kleinbäuerin ihr Leben. Sie gebar 10 Kinder, von denen nur fünf überlebt haben. „Mein Mann schlug mich und trank sich zu Tode. Wegen der Schläge sind drei Kinder kurz nach der Geburt gestorben“. In einer von Machismo und Alkoholismus geprägten Gesellschaft müssen Frauen wie Rosa Chata stark sein, um zu überleben.

Heute lebt sie gemeinsam mit einem Sohn, den bereits erwachsenen Grosskindern und zwei kleinen Urgrosskindern. Die 4-Generationen-Familie  wohnt in zwei einfachen Häusern. Das Leben spielt sich hauptsächlich im grossen Innenhof ab. Hier stehen nicht nur der Brunnen und das Waschbecken.

Hier hat die Älteste der Familie, wie sie sich lachend nennt, auch ein Gemüsebeet angelegt. Freiland-Hühner gackern zufrieden und ein Schwein darf das Dasein noch bis zur nächsten Weihnacht geniessen. Ein ausladender Mangobaum spendet Schatten und wir geniessen die süss-saftige Frucht eines „Marrañons“, Kaschu-Baumes. Zwischen den Baumstämmen spannt sich eine Hängematte, in der ein Kleinkind träumt.

Zum Ausruhen in der Hängematte bleibt Rosa Chata auch noch heute wenig Zeit. Sie hat immer viel gegeben und wenig bekommen. „Der Brunnen ist eines der grössten Geschenke, die ich im Leben erhalten habe“, meinst sie dankbar zum Abschied.    


Die internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften IFRC macht dieses Jahr mit ihrer Kampagne silent disasters auf das Schicksal derjenigen aufmerksam, deren Stimme sonst ungehört verhallt.

Freitag, 5. April 2013

FCZ-Trainer Urs Meier wirbt für das SRK


Warum engagiert sich FCZ-Trainer Urs Meier in einem Werbespot des Roten Kreuzes für mehr Integration? Der Weg, dies herauszufinden, führte Anfang April bei Temperaturen nahe der Nullgradgrenze zum FCZ-Training auf die Zürcher Allmend.




Wie erwartet und wie der Blick auf die Teamaufstellung im Vereinsheft bestätigt, sind auf dem Rasen mehrere Kulturen vereint.

Dass die Teamarbeit mit Spielern so vieler verschiedener Kulturen und Mentalitäten funktioniere, sei manchmal harte Arbeit, erklärt der Trainer Urs Meier. Denn jede Nationalität besitze ihre eigenen kommunikativen Ausdrucksformen, die neben den rein sprachlichen auch die Mimik, Gestik und Körpersprache umfasse.

Bild: SRK
Der Umgang der Spieler untereinander erscheint an diesem Morgen sehr kollegial und verständnisvoll. Obwohl mit dem Derby FCZ-GC, das unter dem Patronat des SRK stattfindet, in drei Tagen ein wichtiger Match ansteht, dringt immer mal wieder ein Lachen oder ein lockerer Spruch vom Spielfeld an den Spielrand. Aber, so Urs Meier,  habe auch er schon die rote Karte ziehen müssen,  wenn der Umgangston untereinander nicht angemessen war. Solche Situationen bespricht er  nach dem Match oder Training nochmals mit den betroffenen Spielern in Ruhe in seinem Büro. Ein Trainer sei eben nicht nur ein Trainer, sondern auch Psychologe, Vermittler, Mediator. Sozialkompetenz gehöre daher zu einer wichtigen Eigenschaft, die ein Trainer mitbringen muss.

Bild: SRK
Integrationsarbeit sei Teil seines Jobs, vor allem bei Spielern, die aus dem Ausland zum FCZ stossen. Neben Deutschstunden erhalten Zugezogene vielseitige Unterstützung, die ihnen das Einleben in der Schweizer Kultur vereinfacht. Denn schliesslich spielt ein Fussballer, der gut integriert und zufrieden ist auch besser Fussball.

Eigentlich waren für die Werbespots drei Fussballer vorgesehen gewesen. Aber ganz untypisch für Urs Meier hat er sich da für die „gute Sache“ für einmal vorgedrängt, weil er überzeugt ist, „dass auch das SRK dafür sorgt, dass Migranten nicht im Offside stehen“.

Donnerstag, 28. März 2013

Hilfe für Mome aus Laos


In Laos sind viele Familien so arm, dass ein Krankheitsfall sie rasch in den Ruin treibt. Viele zögern deshalb den Arztbesuch hinaus und gefährden ihr Leben. Mome, ein 8-jähriger Junge aus dem Bezirk Nambak, hatte Glück. Die Reiseerlebnisse der SRK-Mitarbeiterin Petra Hörig wurden aufgezeichnet von Annette Godinez.












Mome bin ich bei meiner letzten Reise nach Laos begegnet. Die Begegnung mit ihm und seinem Vater ist mir lange nachgegangen. Es war in einem Spital im Bezirk Nambak. Wir besuchten Patientinnen und Patienten, die alle dank dem Gesundheitsfonds des Roten Kreuzes in Behandlung waren.
Dieser Gesundheitsfonds ist eine Art Krankenversicherung und ermöglicht der ärmsten Bevölkerung den kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung. Auch der Transport und die Verpflegung im Spital wird daraus bezahlt.

Eine Mutter zeigt stolz ihren Ausweis, der sie zum Bezug von Leistungen
aus dem Gesundheitsfonds berechtigt.

Mome war am Vortrag ins Spital eingeliefert worden. Die Anreise, so erzählte sein Vater, war streng: Neun Kilometer Fussmarsch, 25 Kilometer Autofahrt. Doch Mome war fiebrig und matt, er konnte nicht selber gehen. Momes Vater trug ihn die neun Kilometer auf dem Rücken.

Mome mit seinem Vater im Spital
„Typhus“ diagnostizierten die Ärzte bei Mome. Typhus ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen wird. In Ländern mit niedrigen Hygienestandards ist die Krankheit stark verbreitet. Ohne Behandlung endet die Krankheit bei Kindern und geschwächten Personen häufig tödlich.

In Laos gibt es in vielen Dörfern keine Latrinen und oft auch keine Brunnen. Dann vermehren sich Bakterien rasant. Deshalb baut das SRK gemeinsam mit seinen lokalen Partnern Brunnen und Latrinen.



Ein Mädchen wäscht sich die Hände an einem Brunnen, der durch das SRK finanziert worden war.
Mome erhielt Antibiotika und musste einige Tage im Spital bleiben. Teilnahmslos, beinahe apathisch liess er unseren Besuch über sich ergehen und ich spürte, wie froh er um die Anwesenheit seines Vaters war. Die Ärzte versicherten mir, dass sich Mome nach ein paar Tagen erholen würde. Das stimmte mich zuversichtlich und ich hoffe, dass Mome heute wieder lachen kann.


Die SRK-HIilfe in Laos ist Teil unseres langjährigen Engagements
für die Opfer vergessener Katastrophen.

Auch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften IFRC macht dieses Jahr mit ihrer Kampagne silent disasters auf das Schicksal derjenigen aufmerksam, deren Stimme sonst ungehört verhallt.

Freitag, 15. März 2013

Das SRK im TV-Studio

Das SRK realisierte zum Thema Patientenverfügung (PV) zwei TV-Sendungen. Katrin Schöni, Mitarbeiterin der Kommunikation SRK, hat den Dreh in Winterthur bei TELE Top begleitet.











Als ich im Fernsehstudio eintreffe, sitzen sie schon alle am Tisch: Hanspeter Waldburger, der Geschäftsführer SRK Unterwalden ist ein Experte in allen Fragen rund um die Patientenverfügung.  Cornelia Beck betreut die Patientenverfügung beim Roten Kreuz in Graubünden. Auch eine Kundin, die beim Erstellen der Patientenverfügung vom SRK beraten wurde, stellt sich den Fragen von Moderator Geri Staudenmann. 

Staudenmann erklärt den Teilnehmenden, was er von ihnen erwartet und wie die Sendung abläuft. Eine leichte Nervosität ist langsam spürbar. Nach dieser kurzen Besprechung werden wir in einen Fahrstuhl gesteckt, wo sogleich das Licht ausgeht – zum Glück gibt es Smartphones mit integrierter Taschenlampe. Wir zählen darauf, dass bei den Dreharbeiten dann alles reibungslos läuft.

Wellness vor dem Auftritt

Ab in die Maske. Eine junge Visagistin - bei TELE Top arbeiten nur junge Leute - empfängt uns freundlich und macht sich sogleich an die Arbeit. Die Glatze des Moderators wird poliert und mit einer dicken Puderschicht bedeckt bis nichts mehr glänzt.

Hanspeter Waldburger in der Maske.
Kein Detail wird dem Zufall überlassen: Sogar die kurzen Haare von Hanspeter Waldburger werden mit Gel in die richtige Form gebracht. Die Kundin des neuen SRK-Dienstes erhält noch einen Hauch Lippenstift, um im richtigen Licht zu stehen. Die Visagistin malt, pudert, kämmt und zupft zurecht, bis ihr alles in Ordnung erscheint. Schade, bin ich nicht vor der Kamera: So eine professionelle Behandlung hätte mir auch gefallen.

Anstrengender gehts im Studio zu, wo ich mir die Kameras anschauen darf.  Keine Ahnung, wie man es schafft, diese riesigen  Türme zu bedienen! Doch aus man  ist schon lange auch -frau geworden:  Die junge Kamerafrau stellt sich lächelnd hinter den Kameraturm, und es geht los.

Es ist nie zu früh 

Hanspeter Waldburger, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Unterwalden, erklärt, was eine Patientenverfügung beinhaltet und stellt die zentrale Frage: "Welche medizinischen Behandlungen möchten Sie noch, wenn Sie sich nicht mehr selber dazu äussern können?" Sobald Hanspeter Waldburger ins Bild kommt, wird der Satz eingeblendet: „Es ist nie zu früh, eine Patientenverfügung auszufüllen“. Cornelia Beck erzählt, wie das Rote Kreuz Menschen in dieser wichtigen Frage berät, denn ganz einfach ist es nicht, sich über einen schlimmen "Fall der Fälle" Gedanken zu machen. Das kann auch die junge Kundin bestätigen, die den Beratungsdienst in Anspruch genommen hat.

Moderator Geri Staudenmann richtet sich an die SRK-Gesprächsrunde.
Nach genau 25 Minuten ist der Dreh zu Ende. Wir atmen auf. Alles ist gut gegangen – ich bin beeindruckt, wie professionell sich alle Teilnehmenden verhalten haben. Es gab keinen einzigen Versprecher!

Im Zug nach Bern gehe ich den Tag in Gedanken durch. Faszinierend, diese TV-Welt. Aber etwas anderes ist mir viel wichtiger: Die Sendung wird dazu beitragen, dass noch mehr Menschen eine Patientenverfügung ausfüllen.

Freitag, 8. März 2013

Wann ist jemand offiziell arm?

Die Geschenke der Aktion  «2 x Weihnachten» werden zur Zeit an Bedürftige verteilt. Während dem Sortieren im Logistikzentrum der schweizerischen Roten Kreuzes in Wabern hat Florence Schacher über die Situation derjenigen Personen nachgedacht, die in der Schweiz in den nächsten Wochen noch ein wenig Weihnachten feiern dürfen.













Ein Donnerstagabend im Januar. Ich sortiere die Geschenke, die das Schweizerische Rote Kreuz im Rahmen der Aktion 2x Weihnachten erhalten hat. Die grossen und kleinen Pakete  sind mit vielen nützlichen Dingen gefüllt. Durch meine Hände wandern: Teigwaren, Zucker, Mehl, Konservendosen, Shampoo, Seifen, Duschgel, Zahnpasta, Zahnbürsten, Blöcke, Kugelschreiber und Farbstifte, Tischservietten, Topflappen, Kerzen, Pflaster, Taschentücher und Vieles mehr.



Das Sortieren mit den Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Jugendrotkreuzorganisationen macht Spass - deshalb bin ich auch so gerne dabei. Doch je länger wir arbeiten, desto nachdenklicher werde ich. «2x Weihnachten» ruft mir in Erinnerung, dass es auch in der Schweiz arme Menschen gibt. Die Hälfte all der Geschenke wie Body-Lotion, Konserven, Kaffee und Süsses, die sich hier in Schachteln türmen, bleibt nämlich in der Schweiz und wird hier an bedürftige Menschen weitergegeben.



Armut in der Schweiz trägt ein anderes Gesicht als Armut beispielsweise in Afrika. Sie ist weniger gut sichtbar, jedoch ist sie für den Betroffenen dadurch nicht weniger leidvoll. In der Schweiz gibt es keine eng aneinandergereihten Siedlungen aus Wellblechhäusern, sogenannte Slums. Man sieht auch keine Kinder, die auf riesigen Müllhalden nach etwas Essbarem suchen.
Wann gilt also eigentlich jemand offiziell als arm, frage ich mich und konsultiere die Statistik des Beobachters.



Arm sein in der Schweiz bedeutet oft, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein. Kinder armer Familien haben selten die Möglichkeit, einem Hobby nachzugehen, einen Film im Kino anzusehen oder ins Schwimmbad zu gehen. Und dies schlicht und einfach deshalb, weil das Geld für den Sportverein, das Schwimmbad oder den Kinoeintritt fehlt.
Ich ertappe mich dabei, dass die kleinen Münzen wie 10- oder 20-Rappenstücke für mich keinen wirklichen Wert mehr besitzen. Ohne dieses "Kleingeld" reicht es zwar nicht fürs Pausenbrötchen. Aber zuhause wartet ein Abendessen auf mich.


Auf wieviele Jungen und Mädchen in meinem Alter wartet kein Nachtessen? Und wieviele Mütter sind froh, wenn sich der Einkaufskorb für einmal sogar ganz umsonst füllt? Es muss aber auch gesagt werden, dass  sich viele verschiedene Organisationen dem Thema Armut angenommen haben und versuchen, diesen Menschen zu helfen - auch in der Schweiz. Dazu gehört auch die Aktion «2x Weihnachten» des Schweizerischen Roten Kreuzes. Ich bin nächstes Jahr wieder dabei.


 Tätigkeiten des SRK in der Schweiz

Mehr zu  «2x Weihnachten»

Mehr zum Jugendrotkreuz

Montag, 4. März 2013

Selbst die Autopanne führt zum Glas Tee

Gastfreundschaft wird in Jordanien  auch in Zeiten der Krise hochgehalten. Im Alltag ist die Einladung zum „Tschai“, dem heissen Teegetränk, der Ausdruck davon. Ob im Flüchtlingslager oder gar bei der Autopanne.
Karl Schuler, SRK











Wir sind in Begleitung der Freiwilligen des Jordanischen Roten Halbmondes auf dem Weg von der Hauptstadt Amman in den Norden des Landes. Dort wollen wir syrische Flüchtlingsfamilien besuchen. In einer Steigung auf der gut ausgebauten Hauptstrasse kommt eines der beiden Fahrzeuge plötzlich ins Stottern und die Fahrt muss unterbrochen werden, damit sich der heissgelaufene Motor erholen kann.

Der Zufall will, dass die Panne auf der Höhe einer Landschaftsgärtnerei passiert. Ein langgezogenes Landstreifen mit Palmen- und Olivenbäumen en miniature zu Hunderten, die den eiligen Passanten zum Verkauf angeboten werden.

Ein Olivenbäumchen für die Schweiz

Der Besitzer des Gartens stellt sich als Mister Hussein vor und schlägt spontan vor,  die Zeit des Wartens mit einem Tee zu versüssen. Und schon ist er im Schuppen verschwunden, um fünf Minuten später auf einem Tablett acht dampfende Teegläser für uns alle anzubieten.


Dieser Olivenbaum soll 1‘000 Jahre alt sein, sagt uns Mr. Hussein.


Dass wir aus der „Swizra“, der Schweiz kommen, freut mr. Hussein besonders. Als ich eine Olivenpflanze kaufen will, weigert er sich energisch, etwas dafür anzunehmen. Inzwischen hat das Olivenbäumchen die Reise gut überstanden und wird mich immer an die spontane Begegnung erinnern. Während sich Mister Hussein wohl am Schweizer Sackmesser freut, das ich ihm offerierte.

Tee auch bei den Flüchtlingen

Das Tee-Ritual setzt sich auch während des Besuches der Flüchtlingsfamilien forts. Die grosse Mehrheit der 350‘000 syrischen Flüchtlinge lebt In karg eingerichteten Wohnungen vor allem in den nördlichen Städten Irbid, Jerash und Ajloun. Das Rote Kreuz unterstützt 2‘000 der  verletzlichsten Familien mit einem monatlichen Beitrag für die Wohnungsmiete. Die Freiwilligen des Jordanischen Halbmondes haben inzwischen ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufgebaut.


Das Teeritual gehört zur orientalischen Gastfreundschaft. SRK, Luca Linder.

 So wird auch der Besucher aus der Schweiz freundlich empfangen. Und plötzlich macht ein Tablett mit dem mit Minze angereichertem Schwarztee die Runde. „Wir haben fast nichts, aber für ein Glas Tee für den Gast muss es immer reichen“, sagt die Grossmutter, die ihre Kinder und Grosskinder bei der  Flucht begleitet hat. Wir sind sowohl berührt wie auch ein bisschen beschämt.

Mehr zur Situation der syrischen Flüchtlinge:

- Zehntausende auf der Flucht
- Das SRK hilft in Jordanien
- Reportage aus Amman